Little Jamaica an der spanischen Küste: Benicassìm im August

Benicassim – Ein kleiner Ort an der spanischen Costa del Azahar

Schon mal von Benicassim in Spanien gehört? Nein? Macht nichts, ich bis zum letzten Sommer auch noch nicht. Ehrlich gesagt ist das auch gar nicht weiter verwunderlich, denn Benicassim ist ein kleiner Ort an der Costa del Azahar, ca. 1 Stunde von Valencia entfernt. Benicassim gehört zu der Provinz Castellón und grenzt nördlich direkt an die Stadt Castellón de la Plana an. Ähnlich wie auch bei anderen spanischen Städten an der Küste verdoppelt sich die Bevölkerung zur Saison.

Schaut man sich in Benicassim um, dominieren Rentner mit kleinen Hunden das Bild. Immer mal wieder radeln Familien mit kleinen Kindern vorbei, den Paseo Maritímo, die hübsche Strandpromenade entlang. Morgens wird Aerobic und Yoga gratis am Strand angeboten.

Und nun die Preisfrage: Was macht eine Mitte 20-Jährige Frau an einem Strand wie in Benicassim? Offenbar Rentner- und Familienparadies? Und was hat das Ganze mit Jamaica zu tun? Schließlich macht ein feiner Sandstrand und türkises Meer noch keine Karibik aus.

Einmal im Jahr, um genau zu sein Mitte August macht der Altersdurchschnitt eine Kurve nach unten und pendelt sich bei 20 bis 30 Jahren ein. Wer nun an Abifahrten und Sangria aus Eimern denkt, der hat weit gefehlt!

Benicassìm verwandelt sich in Little Jamaica

Benicassim zeigt sich rot, gelb, grün – den typischen Afrika-Farben und schon lange Symbol für Reggaemusik und gute Stimmung: Jedes Jahr zum Rototom Sunsplash Festival, dem größten europäischen Reggaefestival, strömen um die 250 000 Menschen nach Benicassìm um 8 Tage lang zu tanzen, Musik zu hören (und zu selbst zu machen), und natürlich um an den Strand zu gehen und dort zu feiern.

Das Festivalgelände mit Bühne und Co. befindet sich zwar hinter der Stadt und ist somit vom eigentlichen Strand abgetrennt. Dennoch finden zahlreiche Aktivitäten die vollen 8 Tage lang am Strand statt: Hier kann man Yoga machen, an Diskussionen teilnehmen, African Dance lernen oder einfach nur zu den Beats der DJs tanzen, die immer wieder wechseln.

Eigentlich könnte man annehmen, dass die Bevölkerung genervt ist von dreadlockigen Hippies, die ihren Strand erobern. Doch ich habe festgestellt, dass die Neugierde irgendwie doch überwiegt und sich viele Leute über ein bisschen „Action“ in Benicassim freuen. Schließlich bringt das Rototom eine zahlende Kundschaft ein, Campingplätze sind ausgebucht und Restaurants immer voll besetzt. Der Tourismus hat sich auf das Festival bereits voll eingestellt: „Rototom Menús“ in den Restaurants und spezielle Rabatte für Festivalgänger in Unterkünften und Cafés und Benicassim reagiert gelassen auf die kleine Invasion. Und man darf dabei eins nicht aus den Augen verlieren: Das Rototom ist kein Heavy-Metal-Festival mit Alkoholexzessen und Flaschen die kreuz und quer durch die Gegend fliegen. Im Gegenteil, viele Eltern reisen ihren Kindern an, die Stimmung ist entspannt und fröhlich, und auf Sauberkeit am Strand wird geachtet.

Nach 8 Tagen ist das Spektakel dann auch wieder vorbei, die Zelte werden abgebaut, die Fahnen verschwinden nach und nach wieder und Benicassim verwandelt sich langsam wieder in das, was es mal war: ein kleines ruhiges Städtchen an der spanischen Küste mit türkisem Wasser und langen Sandstränden.

Strände in Benicassìm:

Playa Heliópolis: weicher Sandstrand, ein wenig ab vom Schuss

Playa Els Terres: schöner Sandstrand, leichte Wellen, gut zum Schwimmen

Playa Torre San Vincent: Kieselstrand mit kristallklarem Wasser und einigen schönen Aussichtspunkten

Playa Almadraba: Hier wird der Strand wieder zu einem weichen Sandstrand, einfacher Zugang zur Altstadt Benicassims

Playa Voramar: am Rande Benicassims und somit sehr viel ruhiger

Wer noch mehr zum Rototom Sunsplash in Benicassìm erfahren möchte, und wie man so Strandurlaub mit Festivalcamping verbinden kann, der sollte sich diesen Artikel noch anschauen:

Rototom Sunsplash Festival in Spanien – der Survival Guide

 

 

Anne Prinz, Gastautorin für Beach-Inspector

Autorin Anne Prinz

Anne ist Backpackerin, Grafikdesignerin, Veggie, Straßenhund-Adoptiv-Mamá und Publizistik-Studentin. In den letzten Jahren hat sie 2 Jahre im Ausland gelebt, einen Straßenhund adoptiert und ihren peruanischen Freund geheiratet. Über ihr verrücktes Leben schreibt sie auf Going Vagabond. Mehr über Anne erfahrt ihr hier

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