Ich liebe Adrenalin.

Adrenalin verleiht mir persönlich immer ein Gefühl der Schwerelosigkeit. Mein Herz hüpft wie wild und es schleicht sich mir dieses lustige Kribbeln in der Magengegend ein. Man kann es auch Aufregung nennen. Aber egal, wie man es auch nennen möge: ich bin ganz süchtig danach.

Die Höhen

Faszination Fliegen. Ich muss zugeben, ich krieg ja ein leicht flaumiges Gefühl wenn ich nur ans Fliegen denke. Eine Zeit lang hatte ich – Flugangst wäre untertrieben – eine regelrechte Abscheu, wenn das Thema nur im Entferntesten aufkam.

Ich bin des Fliegens zwar wieder freudig, aber wenn es darum geht mich von einem Berg zu stürzen, kommen doch einige Bedenken hoch. Aber genau das habe ich vor: mich vom Berg stürzen. Mutter Natur hat uns zwar nicht mit Flügeln gesegnet, dafür gibt es aber zig Möglichkeiten durch die Lüfte zu gleiten: Drachenfliegen, Trikes, Motorschirme und natürlich Gleitschirmfliegen/Paragliden. Letzteres habe ich nun also vor mir.

Nachdem ich mit einem Paragliding Anbieter auf Lanzarote Tag und Uhrzeit des Abflugs vereinbart habe, geht es gegen Ende meiner dritten Woche auf Lanzarote – und somit meines Aufenthaltes auf der Vulkaninsel – in den Norden nach Órzola, wo das Schauspiel über die Bühne gehen soll. Zugegebenermaßen bin ich an dem Tag etwas dramatisch gestimmt und mein Magen rebelliert vor lauter Vorfreude. Ich wiederhole derweil mein Mantra, um mich selbst von dem Vorhaben zu überzeugen: No risk, no fun. No risk, no fun…

Kurz vor dem Abflug: Mein Kollege Erik und ich sind gespannt!

Kurz vor dem Abflug: Mein Kollege Erik und ich sind gespannt!

Mein geplanter Gleitschirmflug ist übrigens ein sogenannter Tandemflug. Demnach fliege ich bei einer erfahrenen Pilotin mit ohne selbst Vorkenntnisse haben zu müssen. Null Kontrolle meinerseits also. Na das wird ein Spaß.

Bevor es zum „Gleiten“ selbst kommt, müssen wir aber zunächst den Berg erklimmen und zum Startplatz gelangen. Natürlich mit dem ganzen Krims Krams, den man dazu braucht: Helme, Gleitschirm und mindestens eine gute Dosis Mut.

Das Paragliden gehört auf Lanzarote zu den beliebtesten Aktivitäten.

Das Paragliden gehört auf Lanzarote zu den beliebtesten Aktivitäten.

Nach einem anstrengenden Aufstieg, ist es dann endlich so weit. Jetzt gibt es quasi kein Zurück mehr. In diesem Moment frag ich mich: ‚Arbeitsvertrag meines Lebens, oder der mich mein Leben kosten wird?‘ Das wird sich wohl gleich zeigen. Mein Herz fängt jedenfalls langsam an in Richtung Hose zu sinken. Von wegen ‚ich liebe Adrenalin‘. Grade jetzt wäre ich dankbar über etwas weniger davon. Aber so ist das mit dem Adrenalin: es ist eine Art Hassliebe. Zum Glück schleichen sich die Panik und mein gesunder Menschenverstand immer nur für relativ kurze Zeit ein, deswegen werden sie auch meist erfolgreich ignoriert. Daher nimmt mein Herzklopfen nach einigen Schreckenssekunden auch wieder ein menschliches Tempo an und ich mache mich startklar.

Abflug vom El Risco de Famara

Nach ein paar Laufschritten den Berg hinunter gegen den Wind geht es plötzlich aufwärts und ich verliere den Boden unter den Füssen. Im wahrsten Sinne des Wortes sozusagen. Es geht relativ fix und nach nur kürzester Zeit kommen wir in eine beachtliche Höhe mit einem einzigartigen Ausblick auf Lanzarote und die Nachbarinsel La Graciosa. Wow! Die Aussicht ist der Hammer! Auch der Berg unter uns scheint plötzlich gar nicht mehr so unendlich hoch, wie er sich bei meinem elenden Hochgewatschel angefühlt hat.

Adrenalin pur: Beim Paragliden kann es im Sturzflug auch ganz schnell nach unten gehen!

Adrenalin pur: Beim Paragliden kann es im Sturzflug auch ganz schnell nach unten gehen!

Da ich euch an dieser Stelle nicht mit detaillierten Umschreibungen zu meinem Gefühlszustand in diesem Moment langweiligen will, guckt ihr euch am besten das Video an und urteilt selbst darüber. Das einzige was ich sagen kann: Atemberaubend! Und zwar auch im wahrsten Sinne des Wortes.

Beim Fliegen hat man eine ganz andere Sicht auf die Dinge...

Beim Fliegen hat man eine ganz andere Sicht auf die Dinge…

Und wenn wir schon bei außergewöhnlichen Beschäftigungen sind, springt mir während einer Strandbewertung in der gleichen Woche meine nächste Activity in die Augen. Diesmal geht’s nicht in die Höhe, sondern ganz schön tief unter Wasser! Stichwort: Scuba Diving!

Die Tiefen

Als mir mein neuer Bekannter und Tauchlehrer Cristian aus Madrid anbietet, mit ihm eine Tauchexkursion im Norden Lanzarotes am Charco del Palo zu unternehmen, bin ich hin und weg. Und zwar 23 m in die Tiefe des Ozeans! Braucht man dafür nicht eigentlich einen Tauchschein, frag ich mich? Dafür dass ich noch nie vorher richtig getaucht bin, ein gewagtes Unternehmen würd ich mal behaupten. Aber gut. Auch hier wieder: No risk, no fun. (Langsam fange ich an, die Sinnhaftigkeit dieses Spruchs in Frage zu stellen) Und so lande ich schon bald im kalten Nassen mit so einem Riesenvieh auf dem Rücken, welches mich mit Sauerstoff versorgt und aussehen lässt, wie eine betrunkene Schildkröte. Die Dinger wiegen, sag ich euch!

Ready: Die Ausrüstung zum Tauchen wiegt gefühlte 100 Kilo!

Ready: Die Ausrüstung zum Tauchen wiegt gefühlte 100 Kilo!

Ich fühl mich, wie ins kalte Wasser geworfen. Nicht nur sprichwörtlich. Das Wasser ist eiskalt! Ich seh mich grad in die 90er Jahre zurückversetzt, als sich mein Schwimmtrainer immer dabei vergnügt hat, uns Schwimmnovizen draußen bei Null-Graden im Wasser erfrieren zu lassen. Das waren noch Zeiten!

Nach dem ersten Temperaturschock also und dreimal tief ein- und ausatmen, gewöhn ich mich langsam an die Kälte und die Vorfreude nimmt überhand. Die Sicht ist besser als gedacht und schon nach den ersten Minuten schleichen sich mir die buntesten Fische in die Blickbahn. Wir entdecken außerdem zwei Stachelrochen und einen sogenannten Engelhai in der Ferne, der jedoch nicht so kontaktfreudig scheint und relativ schnell die Flucht ergreift.

Die Unterwasserwelt der Vulkaninsel ist bunter als gedacht!

Die Unterwasserwelt der Vulkaninsel ist bunter als gedacht!

Nach etwa 20 Minuten wird’s dann richtig spannend! Cristian führt mich in eine Unterwasserhöhle, die nur durch ein relativ schmales Loch erreicht werden kann. Ganz schön scary! Es dringt hier kaum Licht durch, was den Ort ziemlich unheimlich erscheinen aber gleichzeitig auch die Schmetterlinge im Bauch wie wild umherflattern lässt. Hammer!!!

Scary: In der Unterwasserhöhle wird es ziemlich duster...

Scary: In der Unterwasserhöhle wird es ziemlich duster…

Nach einer halben Stunde Sightseeing unter Wasser bewegen wir uns langsam in Richtung Ausgangspunkt. Wir wollen ja nicht, dass uns der Sauerstoff ausgeht. Nein, das wäre höchst suboptimal.

An der Oberfläche angekommen ist mir im ersten Moment doch etwas schwindelig. Ist wohl nicht so ohne mal einfach 23 m abzutauchen und Tonnen Ozean über dir zu wissen. Schon der Gedanke bewegt sich in eine sehr abstrakte Ebene. Ein ganz schön surreales Erlebnis also und extrem viele neue Eindrücke! Top! :)

Wie eine betrunkene Schildkröte: Meine Bewegungen sind mit der Flasche auf dem Rücken etwas eingeschränkt

Wie eine betrunkene Schildkröte: Meine Bewegungen sind mit der Flasche auf dem Rücken etwas eingeschränkt

Und so geht meine Zeit auf Lanzarote auch schon dem Ende zu. Schön war’s. Ach was: AUßERGEWÖHNLICH!

Eine Insel, die mir definitiv mehr gegeben hat, als ich jemals erwartet hätte. Danke Lanzarote für eine unvergessliche Zeit!

Mein nächstes Ziel ist ein Ort, der aus einem Märchen aus 1001 Nacht stammt. Nur um einiges moderner. Seid gespannt!

Bis bald,

Eure Iza

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