Playa de Famara – Wellenreiten auf Lanzarote

Regelmäßig kommt die Brandung herangerauscht, eine Welle nach der anderen bricht und rollt sich auf dem weißen Sandstrand aus. Der Wind pustet mir über den Rücken und kühlt angenehm. „Pass auf, hol dir bloß keinen Sonnenbrand“, denke ich noch, bevor mir die Augen zufallen und ich einschlafe. Kein Wunder: Bevor ich mich auf das Handtuch gelegt habe, habe ich mich aus meinem Neopren geschält – ich war fast vier Stunden im Wasser, Wellenreiten, ich bin völlig im Eimer.

Eigentlich wollte ich schon vor zwei Stunden hier liegen, aber ich fand einfach nicht den Weg aus dem Wasser. Die Wellen sind hier einfach perfekt, sogar für Anfänger wie mich: Etwa anderthalb Meter hoch türmt sich das Wasser auf, in absolut berechenbaren Abständen. Es gibt an dieser Stelle unter Wasser keine Steine und nichts, das mich gefährden könnte, wenn ich wieder mal vom Brett falle. Nur feinster, weißer Sand.

Ich verbringe viel Zeit auf Reisen, fast sogar mehr als Zuhuase. Weil ich Neues entdecken will, ich will an Orte gelangen, an denen ich noch nie vorher gewesen bin. Deshalb gibt es auch nicht viele Orte, an die ich schon zweimal in meinem Leben gereist bin. Und so gut wie keinen einzigen Strand. Ich bin schon an so vielen wunderbaren Stränden gewesen, und ich weiß doch: Es gibt noch viel mehr Strände, die ich noch unbedingt sehen will. Und noch mehr, die ich wahrscheinlich nie zu Gesicht bekomme. Und doch gibt es hier in Caleta de Famara auf Lanzarote einen Strand, an dem ich jetzt schon zum dritten Mal bin.

 

Ich mag Windsurfen, Wellenreiten und Beachball. Ich mag es, beim Sonnenbaden einzuschlafen und ich mag Barbecues mit Bier am Strand.

Und genau das bekomme ich hier in Caleta de Famara, einem der wenigen, weißen Sandstrände auf Lanzarote. Fast alle anderen Strände sind hier entweder steinig oder ihr Sand ist schwarz: getrocknetes Lavagestein, das im Laufe der Erdgeschichte zu Sand gemalen wurde.

Mein Lieblingsstrand hier bei Famara ist auch noch der Längste dieser kanarischen Insel, die größtenteils vom Tourismus lebt. Pauschaltouristen kommen in Massen auf die Kanaren – und trotzdem ist der Playa de Famara nicht überbevölkert. Das mag daran liegen, dass Baden bei der Brandung nicht wirklich Spaß macht. Man braucht hier ein Bodyboard oder ein Surfbrett, um Spaß im Wasser zu haben.

Surfer am Strand Famara auf Lanzarote

Surfer am Strand Famara auf Lanzarote

Aber das ehemalige Fischerdörfchen Famara liegt auch weit weg von den Hotels der großen Tourismuskonzerne. Die einzige Landstraße, die hierherführt, ist auch die einzig Asphaltierte, alle anderen sind Sandpisten. Die touristische Infrastruktur beschränkt sich auf einen Supermarkt, drei Surfschulen und einige günstige Restaurants. Von Arrecife braucht man mit dem Mietwagen fast eine Stunde von Arrecife aus hierher, übernachten kann man entweder in den kleinen Unterkünften der Surfschulen oder in einigen, wenigen privaten Unterkünften.

Weniger als tausend Menschen leben in den weißen Häuschen im Dorf, wenn vor den Häusern Autos stehen, dann sind es oft alte Bullis, die meisten Autos haben Dachaufbauten für Surfbretter. Oft sind die Parkplätze aber auch von Motorbooten belegt. Wer sich entschieden hat, hier zu leben, will nicht weg, er will nur ins Wasser.

 

Irgendwann schrecke ich auf, hier an meinem Schlafplatz am Strand. Ich spüre irgendetwas eiskaltes auf meinem Rücken.

„Wach auf! Du kriegst einen Sonnenbrand!“, sagt einer meiner neuen Kumpels aus dem Surfhostel. Er lacht, klatscht mir einen Spritzer Sonnencreme auf den Rücken und drückt mir ein kaltes Bier in die Hand.

Bald machen wir uns auf den Weg in unser Hostel, um uns ein bisschen frisch zu machen. Heute Abend ist unsere Good-bye-Party, die meisten von uns reisen morgen ab. Auch ich werde schon morgen Abend wieder im nasskalten Hamburg sein.

Wir decken uns am Supermercado mit einigen Dosen „Tropical“ ein, so heißt das lokale Bier. Am Strand warten unsere Freunde von der Surfschule, auf dem Grill brutzelt frisch gefangener Fisch. Die Sicht ist jetzt ganz klar und draußen auf dem Atlantik können wir jetzt die Silhouette von La Graciosa, der kleinsten bewohnten Insel der Kanaren, erkennen.

Während ich mit den anderen anstoße, denke ich: „Ich glaube, hier war ich nicht zum letzten Mal“.

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Timo Peters, Gastautor für Beach-Inspector

Autor Timo Peters

Timo, der Eroberer der Meere, ist leidenschaftlicher Tramper und Abenteurer. Mit wenig Geld aber viel Neugier und Offenheit hat er nach seinem Studium die Leinen losgemacht und die Segel gehisst, um die Welt zu entdecken. Per Anhalter ist er mit Segelbooten über den Atlantischen Ozean gereist und hat so einige Bekanntschaften geknüpft. Mehr über ihn findet ihr auf Timos Profilseite.

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