Roadtrip im Oman: 2 Freunde, 2 Wochen, 4414 Kilometer


 

Die Fische flogen in Richtung Firmament. Jeder einzelne von ihnen ein Stück höher. Oben wurden sie bereits von einem Geschwader Möwen erwartet, die diese köstlichen Leckerbissen unter großem Geschrei auffingen. Die Szenerie wirkte aus der Ferne etwas absurd. „Halt an, was ist da denn los?“, wunderte sich mein Beifahrer. Ich hielt den Geländewagen an, schnappte meine Kamera, in der Hoffnung ein paar Motive einfangen zu können, und wir wateten durch den heißen Sand zu den fliegenden Fischen.

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Die Ostküste des Omans ist hauchdünn besiedelt. Hier trifft der beißend wehende Wüstensand der Wahiba Sands auf eine karge und endlose Küstenlandschaft. Wer sich hier ansiedelt muss hart im Nehmen sein. Nachdem wir eine Anhöhe überquerten, erstreckten sich vor uns endlose Haufen Fischernetze, die alle einen großen Fang aufzählten. Weiter hinten lief eine Truppe an Fischern von einem Netzhaufen zum anderen und lösten die gefangenen Fische aus dem Netz, in dem sie das Netz ausbreiteten, an allen Enden unter Spannung kräftig schüttelten und auf einer Plane auffingen. Dass dabei ein kleiner Teil von den Möwen aufgefangen wurde, störte sie nicht. Die Szenerie wirkte wie ein Massaker, ist jedoch für die Bewohner dieser Region überlebenswichtig.

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Das war schon immer so. Fischerei und Landwirtschaft zählen zu den traditionsreichsten Wirtschaftssektoren des Omans. Sie fördern Bodenständigkeit und Traditionsbewusstsein während des modernen, technologischen Wandels des Omans. Tatsächlich steckte der Oman bis 1970 noch im Mittelalter. Zur medizinischen Versorgung zählte lediglich ein Krankenhaus mit zwölf Betten für ein ganzes Land. Die Analphabetenrate betrug 98 %. Nur 3 Kilometer Straßen waren asphaltiert (vor dem Sultanspalast). Kein Wunder also, dass der heutige Sultan Qaboos, damals noch Sohn des regierenden Sultan Saud bin Taimur, kein Bock auf diese Zustände und wahrhaftig keinerlei Stolz auf die Leistung seines Daddys hatte. Kurzerhand putschte er seinen Vater in einer militärischen Aktion und übernahm die Geschäfte. Mit Erfolg. Mit einem Schritt-für-Schritt Vorgehen mittels Fünfjahresplänen, erreichte der Oman Anschluss an die Moderne. Zugegeben, er hatte keinen einfachen Start im Regierungsbusiness. Da waren Bürgerkriege und Aufstände. Aber er meisterte die Herausforderungen und kann heute auf ein fortschrittliches Land blicken.

Diese Historie und Geschichten, die der Oman erzählen kann, steckten unseren Entdeckergeist an. Wenn ein Land auf dem Blatt Papier so viel Interesse auslöst, sollten wir es mit eigenen Augen sehen. Eine glückliche Fügung des Schicksals ließ im Frühjahr mein Telefon klingeln. Am Apparat war ein guter Freund: Er würde noch jemanden suchen, der mit ihm in den Oman reist. Da ich schon so viel über das Land gelesen hatte, sagte ich überstürzt zu. Das Berliner Startup Beach-Inspector.com beauftragte uns die fast 1.700 Kilometer Küste des Oman entlang zufahren und Strände zu erkunden. Reisen und Finanzen konnten also in Symbiose einhergehen.

Der Oman ist heute ein Vorzeigebeispiel für die Verbindung aus Tradition und Moderne. Gelten in den Nachbarländern Superlative und Rekordbauwerke, präsentiert das Sultanat Oman orientalische Bauwerke und eine moderne Infrastruktur.

Ein Geländewagen ist nicht zwingend notwendig, da inzwischen nahezu jede Straße asphaltiert wurde. Der Ausbau der Tankstellen geht schnell voran. Viele Reiseführer haben uns Sorgen über mangelnde Tankstellen auf große Distanzen bereitet. Diese blieben jedoch unbegründet. Das Land entwickelt sich so schnell, dass Reiseführer jährlich aktualisiert werden müssten.

Für Reisende stellt der Oman dennoch eine kleine Herausforderung dar. Der Tourismus ist erst seit 2004 fester Teil der Entwicklungsstrategie des Landes. So fühlten wir uns in einigen Regionen wie die ersten Besucher des Landes. Die freundlichen Omanis hingegen versuchten mit Schulenglisch alle Informationen über unsere Herkunft herauszubekommen. So lässt es sich einfach in das Locallife eintauchen und besonders an den Stränden mit den Omanis in Kontakt kommen.

Die Fischer, die ihre Fische aus den Netzen schleuderten, lächelten uns an. Wir fingen großartige Motive ein. Wo wir hin wollen, wollten sie von uns wissen. Die Insel Masirah sollte unser nächstes Ziel sein. „AAAhhh Masirah, ein echter Geheimtipp!“, schwärmten sie zu uns herüber. Und das sollte diese Insel an der Ostküste tatsächlich werden. Denn eine Insel, die in keinem Reiseführer erwähnt wird, ist entweder unbesiedelt oder birgt ein Geheimnis, das unter Verschluss gehalten werden soll. Letzteres sollte uns überraschen.

 

Weitere Beiträge von uns über den Oman:
Quer durch den Oman in zwei Wochen – Eine Rundreise mit dem Mietwagen
Masirah Island: Pumpernickel, Senf und saure Gurken im Oman.

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Alle Strände des Oman findet ihr hier auf Beach-Inspector. 

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